„Küstenautobahn“ A 20 als europäische Verbindung und Wirtschaftsimpuls der Wesermarsch?
Hier irrt Minister Lies!

In der Pressemitteilung des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr zum Baubeginn der Bundesstraße  211 neu wird Minister Olaf Lies (SPD) mit folgenden Worten zitiert:

„Darüber hinaus wird dann die großräumig und europaweit bedeutsame Küstenautobahn A 20 auch für den Landkreis Wesermarsch weitere wichtige wirtschaftliche Impulse geben. Beide Maßnahmen sind für die Region unbedingt erforderlich.“[1]

Hier irrt der Minister – und zwar in allen Punkten!

Die Lektüre zahlreicher Dokumente zum Bundesverkehrswegeplan 2030 legt die Vermutung nahe, dass Minister Lies möglicherweise nicht bis ins Detail über die A 20 informiert ist. Gern stelle ich hier die wichtigsten Infos in aller Kürze zusammen:

Die A 20 ist nicht großräumig, sondern höchstens überregional bedeutsam.

Um eine großräumige Verbindungsfunktion zu haben, müsste die A 20 Oberzentren wie Wilhelmshaven, Bremerhaven, Neumünster oder Flensburg mit Metropolregionen wie Oldenburg/Bremen oder Hamburg besser verbinden. Das kann sie nicht, denn sie führt an den Kernen der Metropolregionen in großem Bogen vorbei: Von Oldenburg ist die A 20 rund 25 km entfernt, von Bremen und Hamburg rund 45 km.[2]

Die A 20 ist nicht im festgeschriebenen Kernnetz der europäischen Straßen enthalten.

Sie liegt weit entfernt von den Hauptkorridoren dieses Verkehrsnetzes, in denen die wichtigen europäischen Verbindungen verlaufen. Entsprechend dieser Korridore durchqueren die großen Transitströme Deutschland viel weiter südlich. Dies wird an den Verkehrszahlen anderer Autobahnen deutlich: Auf der A 1 sind 55.000 Kfz täglich unterwegs, auf der A 8 sind es 70.000 Kfz täglich, auf der A 2 fahren 80.000-120.000 Kfz täglich und auf der A 3  mehr als 150.000 Kfz täglich.[3]

Und die A 20? Auf ihr werden durschnittlich nur 19.000 Kfz täglich unterwegs sein. Auf dem Abschnitt der A 20, der durch die Wesermarsch führt, werden sogar nur 13.000 Kfz täglich fahren. Die absolute Untergrenze für eine Autobahn liegt bei 18.000 Kfz/Tag.

Von der A 20 werden keine regionalwirtschaftlichen Impulse ausgehen.

Zu diesem Thema gibt es bereits einen Artikel in meinem Blog: Wirtschaftliche Vorteile der Gemeinde Jade durch die A 20? Aktuelle Prognosen des Bundesverkehrsministeriums

Der Bau neuer Autobahnen hat keinen Einfluss auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Dies stellt das Bundesverkehrsministerium umissverständlich fest. Darüber kann man sich in diesem Blog-Artikel informieren: A 20: Keine neuen Arbeitsplätze durch die „Küstenautobahn“

Durch den Bau der B 211 neu ist die parallel verlaufende A 20 nicht mehr bauwürdig.

So lautet das Ergebnis eines Gutachtens, das sich auf die Unterlagen des Bundesverkehrsministeriums zum Bundesverkehrswegeplan bezieht. Mehr darüber ist in diesem Blog-Artikel zu erfahren: Wesermarsch: Baubeginn der B 211 neu – was bedeutet das für die A 20 und für Jade?

Fazit:

Die Aussagen des niedersächsischen Verkehrsministers sind nicht mehr als – heiße Luft.

 


Quellen:

[1] Niedersächsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr: Baubeginn für die Streckenverlegung der B 211 im Landkreis Wesermarsch (http://www.mw.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/baubeginn-fuer-die-streckenverlegung-der-b-211-im-landkreis-wesermarsch–146452.html) (Stand: 31.8.2016)

[2] vgl. Koordinationskreis der Initiativen und Umweltverbände gegen die A 20 (A 22): Stellungnahme zum Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 vom 29.04.2016, S. 67-70 (im folgenden zit. als „KOK: Stellungnahme“) (http://wp.a22-nie.de/wp-content/uploads/2016/05/BVWP_Stellungnahme-oeffentlich_KOK_2016-04-29_final_low.pdf) (Stand: 31.8.2016)

[3] vgl. KOK: Stellungnahme, S. 70-73

Ein Kommentar

  1. Nicht so streng mit Olaf!
    Er hat doch Fortschritte gemacht, kann offensichtliche Fakten nun erkennen! („Die Strecke verläuft parallel zu einem Teilstück der geplanten Küstenautobahn
    A 20.“)
    Wenn der kognitive Bereich dann voll ausgebildet ist, sollte es ihm in wenigen Jahren gelingen, aus den Erkenntnissen logische Schlüsse zu ziehen und später vielleicht auch entsprechend zu handeln.
    Sorgen wir also dafür, dass er die für seine weitere Entwicklung nötige Zeit bekommt.

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