Radeln gegen A 20! – Erfolgreiche Aktion gegen die „Küstenautobahn“ und für den Klimaschutz

Über 200 FahrradfahrerInnen waren am Sonntag, 4. Oktober 2020, im Ammerland unterwegs, um gegen die geplante „Küstenautobahn“ A 20 und für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Eindrucksvoll: 200 RadlerInnen gegen die A 20 – für den Klimaschutz!

Die Route führte durch Wälder, Landschaften und Moorgebiete, die durch die A 20 von der Zerstörung bedroht sind. An vier Haltepunkten gab es kurze Vorträge mit Informationen über die A 20 und die schwerwiegenden Probleme, die mit ihr verbunden sind.

Der Start

Am frühen Sonntagnachmittag füllte sich der Rasteder Marktplatz zusehends mit FahrradfahrerInnen, denn hier startete um 14 Uhr die Aktion „Radeln gegen A 20!“

Die Fahrrad-Demo wurde von den Bürgerinitiativen gegen die A 20 und “Fridays for Future Rastede” gemeinsam vorbereitet und von zahlreichen Organisationen unterstützt.

Die RadlerInnen kamen überwiegend aus dem Ammerland sowie aus der angrenzenden Wesermarsch. Aus Oldenburg traf ebenfalls eine Gruppe ein.

Mit einem großformatigen Plakat brachten Aktive von der östlichen Weserseite das Anliegen der Demonstranten auf den Punkt:

„Kostenloser Klimaschutz: Keine Küstenautobahn A 20!“

Helga und Peter Schühle begleiten die Tour plakativ!

Die Aktion begann mit Grußworten von Stefan Mester (Fridays for Future Rastede), Gunda Bruns (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) und Susanne Grube (Bürgerinitiativen gegen die A 20 / BUND Ammerland).

Susanne Grube stellte klar:

„Bisher liegt für keinen einzigen Abschnitt der A 20 vollziehbares Baurecht vor!”

Auf dem Marktplatz Rastede

Die A 20 und der Lärm

Vom Rasteder Marktplatz fuhren die RadlerInnen über die Wilhelmshavener Straße und den Nethener Kirchweg Richtung Hahn-Lehmden. An zwei Stellen führte die Strecke unter der A 29 hindurch. So konnten die Demonstranten sich davon überzeugen, dass selbst eine wenig befahrene Autobahn weithin hörbaren, stressenden Lärm erzeugt.

Die A 20 und der Wald

Entlang der Hahner Bäke gelangten die RadlerInnen dann wieder auf die Wilhelmshavener Straße. Auf der Höhe des Schrankenweges stoppte der eindrucksvolle Zug zum ersten Mal.

An dieser Stelle, in der Nähe des geplanten Autobahnkreuzes der A 20 mit der A 29, haben die Planer riesige Brückenbauwerke über die Wilhelmshavener Straße sowie die parallel verlaufende Bahnlinie vorgesehen. Dafür müsste ein Teil des wertvollen Mischwaldes von Gut Hahn geopfert werden. Dieser Wald mit seinem alten Baumbestand ist nicht nur ein echter Vorzeigewald und ein CO2-Speicher, sondern auch ein Lebensraum für Fledermäuse.

Die A 20: Flächenverbrauch, Verkehr, Arbeitsplätze, Kosten

Wim Deekens, Eigentümer von Gut Hahn, gab den RadlerInnen einige grundsätzliche Fakten zur A 20 mit auf den Weg:

„Es ist unglaublich, dass die Politik das durchgehen lässt!“, so Wim Deekens. „Lasst uns laut sein und immer wieder den Irrsinn dieses Projektes aufzeigen!“

Die RadfahrerInnen reagierten umgehend, tauften den Hahner Wald auf den Nahmen „Hahni“ und skandierten lautstark:

„Hahni — bleibt! Hahni — bleibt! Hahni — bleibt, bleibt, bleibt!“

Die A 20 und das Moor

Die weitere Route führte von der Geest ins Moor, über den Kuhdamm, den Alten Lehmder Weg und die Lehmder Straße zum Geestrandtief. Sowohl der Alte Lehmder Weg als auch die Lehmder Straße sollen von der von der A 20 gekreuzt werden. Am Geestrandtief hielten die RadlerInnen zum zweiten Mal an.

Hier informierte der Biologe Rüdiger von Lemm anschaulich über Moor- bzw. Torfböden. Die Nässe des Moores und der dadurch bedingte Luftabschluss führen dazu, dass abgestorbene Pflanzen – z. B. Torfmoos – nicht zersetzt werden. So wächst die Torfschicht nach und nach immer weiter an.

Am Geestrandtief liegt die Moormächtigkeit – also die Dicke der Torfschicht – im Mittel bei drei bis vier, stellenweise auch bei fünf Metern. Wenn Torf mit Sauerstoff in Kontakt kommt, zersetzt er sich – die so genannte Torfzehrung beginnt. Die Torfzehrung erfolgt sehr viel schneller als die Torfbildung.

Für die A 20 müssten allein im Ammerland über 640.000 Kubikmeter Torf ausgebaggert werden. Die Natur bräuchte Jahrhunderte, um eine solche Menge Torfboden neu zu bilden.

Doch das ist nicht das einzige Problem, das der Bau einer Autobahn durch Moorgebiete mit sich bringt:

Zum einen hat Moorboden die Konsistenz von Wackelpudding und ist kaum tragfähig. Der Zusammenbruch der A 20 bei Tribsees hat gezeigt, dass eine Autobahn komplett im Moor versacken kann.

Zum anderen ist das Moor ein herausragender CO2-Speicher. Wenn der Torfboden allerdings mit Sauerstoff in Verbindung kommt und die Torfzehrung einsetzt, wird das im Boden gespeicherte CO2 freigesetzt.

Die A 20 und das Klima

Susanne Grube stellte den RadlerInnen die verheerende Klimabilanz der A 20 vor: Zwischen Westerstede und Drochtersen führt die „Küstenautobahn“ zu rund 80 Prozent über Moor- und organische Marschböden. Das in diesen Böden gespeicherte CO2 wird durch den Straßenbau freigesetzt.

Klimakundig: Stefan Mester, Susanne Grube, Rüdiger von Lemm

Allein für die Abschnitte 1 und 2 der A 20 zwischen Westerstede und Schwei müssten nach Angaben der Planer 1,8 Millionen Kubikmeter Torf ausgehoben werden. Durch den Bodenaushub würden knapp 450.000 Tonnen klimaschädliches CO2 freigesetzt – ohne dass dort auch nur ein einziges Auto gefahren wäre!

Hinzu kommt, dass Moor- und Marschböden bei entsprechender Wasserhaltung in der Lage sind, CO2 zu binden. Die Autobahntrasse würde dieses Potenzial unwiederbringlich zubetonieren. Zudem würden durch den Verkehr auf der A 20 jedes Jahr rund 50.000 Tonnen des Klimagases CO2 zusätzlich ausgestoßen.

Weiterführende Infos zur Klimaschutzproblematik gibt Susanne Grube in ihrem Vortrag “Autobahn A 20 und Klimaschutz – geht das”?

Die A 20, die Landschaft und der Tourismus

Vom Geestrandtief aus führte die Route weiter über die Straße „Zur Schäferei“, über den Dwoweg, die Schafdrift, den Alten Lehmder Moorweg und die Weißenmoorstraße.

Weite Landschaft – bedroht durch die A 20

Alle diese Straßen verlaufen parallel zur geplanten A 20. Alle diese Straßen zeichnen sich dadurch aus, dass sie durch eine sehr dünn besiedelte Gegend und durch eine einzigartig schöne Landschaft führen, die durch ihre Weite besticht.

Diese Landschaft und ihr Erholungswert würde durch die A 20 unwiederbringlich zerstört. So würde die A 20 nicht nur wertvolle Naherholungsgebiete, sondern auch ein touristisches Highlight vernichten.

Die A 20 und das Wasser

Auf der Delfshauser Straße legte die Fahrraddemo den dritten Halt ein. Hier informierten Silke Lorenz (NABU Rastede) und Werner Miszewski-Onken über die schwierigen Grundwasserverhältnisse im Übergangsgebiet zwischen Geest und Moor.

Da die Geest höher liegt als das Moor, drückt das Grundwasser permanent von der Geest ins Moor. Der Bau der A 20 würde gravierend in die Grundwasserverhältnisse eingreifen. Es ist zu befürchten, dass das Grundwasser dann in den Moorgebieten unkontrollierbar an die Oberfläche drückt:

„Das Wasser ist dann nicht mehr beherrschbar“, so Silke Lorenz.

Werner Miszewski-Onken berichtete von den schlechten Erfahrungen, die etliche Einwohner von Delfshausen im Zuge eines Leitungsbaus durch das Moor machen mussten. Durch Grundwasserabsenkungen ist die Standfestigkeit der Gebäude gefährdet, die auf dem Moorboden stehen. Schon bei dem besagten Bau einer schlichten Wasserleitung (!) wurden durch die Eingriffe in den Grundwasserhaushalt rund 30 Gebäude zum Teil schwer beschädigt.

Auf der Delfshauser Straße

Der Ausklang

Auf dem letzten Teil der Route erfuhren die FahrradfahrerInnen den Höhenunterschied zwischen Moor und Geest am eigenen Leib. Die Route führte über die Kleibroker Straße, den Hankhauser Moorweg und den Birkendamm zum so genannten Landschaftsfenster. Diese Aussichtsplattform liegt an der Rasteder Parkstraße, die hier deutlich spürbar bergauf führt.

Doch der wunderschöne Ausblick, den man von hier aus genießen kann, entschädigte die RadlerInnen für die Anstrengung. An dieser Stelle, beim vierten Halt der Fahrraddemo, erläuterte Horst Lobensteiner, Vorsitzender des NABU Rastede, den Unterschied zwischen Geest und Moor. Auch wies er darauf hin, dass das Hankhauser Moor akut durch Torfabbau gefährdet sei – eine Entscheidung, die angesichts des Klimawandels schwer nachvollziehbar ist.

Vom Landschaftsfenster aus führte die Route zurück zum Marktplatz in Rastede. Von der rund 28 Kilometer langen Tour nahmen die Demonstranten viele Fakten zur A 20 sowie viele schöne Landschaftseindrücke mit.

Susanne Grube und Stefan Mester zogen stellvertretend für die zahlreichen Organisatoren, Mitwirkenden und Unterstützer das Fazit des informativen Nachmittags: „Die Aktion war ein voller Erfolg!“


Medienecho (Auswahl)

Janout, Kathrin: “Es ist Zeit, die A 20 aufzugeben”, in: Rasteder Rundschau, 5.10.2020

NDR: Hallo Niedersachsen, 4.10.2020 (ab Minute 13:14; bis zum 10.10.2020 in der ARD-Mediathek verfügbar)

Theilken, Tom Ole: Radler protestieren gegen geplante A 20, in: NWZ online, 5.10.2020

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