Nasenriemen richtig verschnallen: Weiter ist besser!

Das Pferd soll kauen können – so lautet eine zentrale Forderung der meisten Reitlehren. Um dem Pferd das erwünschte Abkauen zu ermöglichen, kommt es auf die korrekte Verschnallung des Nasenriemens an. Eine an der Ruhr-Universität Bochum vorgenommene Studie zeigt, wie es richtig geht.

Die meisten Pferde werden gegenwärtig mit einem kombinierten oder einem englischen Reithalfter geritten, zuweilen sieht man auch das hannoversche Reithalfter.

Die richtige Verschnallung der Halfter wird in den Reitlehren beschrieben: Als goldene Regel gilt, dass zwei Finger zwischen den Nasenrücken des Pferdes und die Lederriemen passen müssen.

Eine Studie von Kathrin Kienapfel und Holger Preuschoft unterlegt die Zwei-Finger-Regel mit nachprüfbaren Zahlen: Damit ein Pferd bequem kauen kann, benötigen die Backenzähne des Ober- und Unterkiefers mindestens 10 mm Abstand voneinander. Die Schneidezähne des Ober- und Unterkiefers müssen „bei einem kleinen Vollblüterkopf“ mindestens 17 mm, „bei einem größeren Kopf“ noch weiter voneinander entfernt sein. (Kienapfel/ Preuschoft, S. 185)

Soweit die Theorie.

In der reiterlichen Praxis hingegen sieht man oft zugeschnürte Pferdemäuler, bei denen Nasen- und/ oder Sperrriemen so fest wie möglich angezogen sind. Dies ist „nicht nur sinnlos, sondern ein Fall für den Tierschutz“. (Kienapfel/ Preuschoft, S. 178)

Die Wissenschaftler sprechen eine unmissverständliche Empfehlung aus: „Um also eine für das Pferd spürbare Erleichterung zu schaffen, sollten, ausgehend vom zugezogenen Maul, 2 Löcher nachgelassen werden!“ (Kienapfel/ Preuschoft, S. 185)

Ihre empirisch und mathematisch fundierte Studie widmet sich zunächst dem kombinierten Reithalfter. Bei diesem werden ein Nasenriemen und ein zusätzlicher Sperrriemen um die Pferdekiefer herumgeführt. Beide Riemen, so das Forschungsergebnis, begrenzen das Pferdemaul gleichermaßen: „Derjenige Riemen des kombinierten Reithalfters, der fester angezogen ist, bestimmt den maximalen Öffnungswinkel des Kiefers.“ (Kienapfel/ Preuschoft, S. 182)

Es nützt dem Pferd also nichts, nur den Sperrriemen locker zu verschnallen, den Nasenriemen aber festzuziehen. Beide müssen so verschnallt sein, dass noch zwei Finger zwischen dem Nasenrücken und den Riemen Platz finden.

Ein weiteres Thema der Studie ist die korrekte Überprüfung der richtigen und pferdefreundlichen Verschnallung der Nasenriemen.

Ob kombiniertes, englisches oder hannoversches Reithalfter: Bei der Anwendung der Zwei-Finger-Regel kommt es immer darauf an, auch wirklich das knöcherne Nasenbein des Pferdes als Ausgangspunkt zu nehmen. Eine Überprüfung an den Seiten des Pferdemauls ist sinnlos, denn hier liegen die nachgiebigen Weichteile der Wange. Am Beispiel des kombinierten Reithalfters stellen die Forscher fest, dass man noch „mühelos drei Finger einer Hand seitlich in den Sperrriemen einführen“ kann, obgleich die Zähne des Pferdes fest geschlossen sind. (Kienapfel/ Preuschoft, S. 179)

Schließlich finden Kienapfel und Preuschoft deutliche Worte für die Unsitte, das Reithalfter so fest wie möglich zu verzurren:

„Nichtsdestoweniger hält sich in vielen Kreisen unentwegt die Vorstellung, dass man ‚besser‘ reitet, wenn man seinem Pferd das Maul tüchtig zuschnürt. Das ist keineswegs im Sinne der klassichen Reitlehre und auch nicht mit den Prinzipien des Tierschutzgesetztes in Übereinstimmung zu bringen.“ (Kienapfel/ Preuschoft, S. 185)

Quelle und Lektüretipp:

Kienapfel, Kathrin/ Preuschoft, Holger: Viell zu eng! Über die Verschnallung der Nasenriemen. In: Pferdeheilkunde 26 (2010)/ 2 (März/ April), S. 178-185

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