Die A 20 und der Klimaschutz: Verkehrte Welt
Ein Leserbrief von Jochen Cohrs zur „Küstenautobahn“ in der „Nordwest-Zeitung“

In einem Kommentar mit dem Titel „Mehr Ehrgeiz“ hatte Rasmus Buchsteiner, Berliner Korrespondent der „Nordwest-Zeitung“, unlängst konstatiert, dass „es Zeit für mehr Ehrgeiz und einen Neustart in der deutschen Klimaschutzpolitik jenseits aller Sonntagsreden“ sei.

Jochen Cohrs aus Jade nahm dieses Statement zum Anlass für einen Leserbrief, den die NWZ heute in leicht gekürzter Form abdruckte.

Hier der Lesebrief in ganzer Länge:

Ihr Autor des Kommentars , „CO2 Ausstoß, Mehr Ehrgeiz“, liegt mit seiner Forderung richtig, aber falsch in der Analyse. Die Bundesrepublik Deutschland wird die Klimaschutzziele nicht erreichen und weit hinter den selbst gesteckten Zielen zur Einsparung von Klima-relevanten Gasen bleiben, weil die Industrie-, Auto- und Landwirtschaftslobby das verhindert, die Politik dem Treiben tatenlos zuschaut und weitestgehend als Steigbügel von Lobbyinteressen dient.

Man wundert sich über die Forderung der Nordwestzeitung nach CO2-Einsparungsmaßnahmen auf allen Ebenen, weil die NWZ nicht gerade als Verfechter und Befürworter von Klimaschutz in Erscheinung tritt.

Allein die von der Zeitung befürwortete und von der Politik geforderte Küstenautobahn A20 wird alle Klimaziele der nächsten Jahre ad absurdum führen. Allein der Aushub der teilweise bis zu 10m dicken Schicht von Moorboden wird die Freisetzung von Tausenden von Tonnen CO2 verursachen, die direkt die Klimaerwärmung forcieren und die CO2-Bilanz der Bundesrepublik massiv belasten.

Aktuelle Klimadaten belegen, daß 2016 das wärmste Jahr seit Menschengedenken war und die Erwärmung 2017 weiter fortschreiten wird, mit dem Ergebnis, daß die Polkappen schmelzen, die Pegelstände der Ozeane weiterhin steigen und die Zahl und Stärke von Stürmen zunehmen. Also „gute“ Voraussetzungen für eine Küstenautobahn, irgendwann inclusive deren Anrainer im Ozean zu versinken. Einziger Trost für uns alle, daß wir das bei einer geschätzten Bauzeit von ca. 40 Jahren wohl nicht mehr erleben werden.

Anstatt Milliarden von Euro in nutzlose, rückwärtsgewannte Klimakiller-Projekte wie die A 20 zu verpulvern, sollte das Geld lieber in innovative Klimaschutz- und Verkehrskonzepte investiert werden, von denen nachfolgende Generation auch profitieren.

Leider wird das mit Politikern à la Dobrindt und Lies nicht möglich sein, weil deren Handlungs- und Entscheidungskriterien nicht rationalen Gründen folgt, sondern klientel- orientiert die Interessen der Verkehrs- und Autoindustrie vertreten. Nach dem Motto: Nach mir die Sintflut. Frau Umweltministerin Hendricks ist da eine löbliche Ausnahme.

 


Link zum Leserbrief von Jochen Cohrs in der NWZ vom 25.3.2017: https://www.nwzonline.de/leserbriefe/kuestenautobahn-nicht-gut-fuer-den-klimaschutz_a_31,2,2901939113.html

Link zum Kommentar von Rasmus Buchsteiner in der NWZ vom 17.3.2017: https://www.nwzonline.de/kommentare-der-redaktion/mehr-ehrgeiz_a_31,2,2687966623.html

Ein Kommentar

  1. Unser aller Freund Ferlemann fehlt noch bei der Aufzählung der Politiker. Leider ist Frau Hendricks keine „löbliche Ausnahme“. Wer dem Mistkäfer zugetan ist, weiß, dass Frau Hendricks mehrmals eingeknickt ist. So hat sie nach anfänglichem Getöse bei der Vorstellung des Bundesverkehrswegeplans 2030, diesen dann im Kabinett Monate später mit durchgewunken. Ihre Plakat-Kampagne bezüglich der Grundwasserbelastung durch die industrielle Landwirtschaft, Tierwohl, Artensterben etc. hat sie zurückgezogen und – es ist ein umweltpolitischer Skandal – ihr Ministerium finanziert die Versuchsstrecken für Oberleitungs-Lkw in Schleswig-Holstein und Hessen mit 50 Millionen.
    Als Tiger gestartet – als Bettvorleger gelandet. Die Minister Dobrindt (Verkehr) und Schmidt (Landwirtschaft) können sich diesen wechselseitig vor ihre Betten legen.

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