A 20: Der JadeWeserPort, die Wesermarsch und 89 Lkw

Die Autobahn A 20 ist für die Anbindung des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven an Schleswig-Holstein, an Skandinavien und an den Ostseeraum unerlässlich, sagt man.

Wenn dies so wäre, dann müssten auf den ersten Abschnitten der geplanten A 20 im Ammerland und in der Wesermarsch zukünftig sehr viele Lkw mit Seegütercontainern unterwegs sein: Die A 20 wäre der Weg ihrer Wahl, sagt man. Ohne diese Autobahn ginge es nicht, sagt man. Der Hafen brauche die Autobahn, sagt man. Um seinetwillen müsse die Autobahn mitten durch eine der schönsten, noch unzerschnittenen Landschaften des Nordwestens gebaut werden, sagt man.

Wir wollen ein kleines Rechenexempel veranstalten.

Ein Container für Seegüter wird im allgemeinen als „Twenty-foot Equivalent Unit“ – abgekürzt „TEU“ – bezeichnet. Der JadeWeserPort kann momentan jährlich maximal 2,7 Mio. TEU umschlagen,[1] nach neuen Berechnungen wohl auch 3,3 Mio. TEU.[2] Die aktuelle, allerdings sehr optimistische Seeverkehrsprognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sagt für den JadeWeserPort im Jahr 2030 eine Umschlagsmenge von 3,4 Mio. TEU voraus.[3] Nebenbei bemerkt: Im vergangenen Jahr wurden hier nur 0,46 Mio. TEU umgeschlagen …[4]

Der Schwerpunkt dieses Hafens liegt auf dem Transshipment, also auf dem See-See-Verkehr, bei dem die Ladung großer Containerriesen auf kleinere Schiffe umgeladen und mit diesen auf dem Wasserweg weitertransportiert wird.

Der Anteil des Transshipments im JadeWeserPort wird sowohl vom Hafen selbst als auch vom BMVI mit rund 60 % angegeben.[5] Somit bleiben 40% der Container übrig, die auf dem Landweg transportiert werden.

Diese Menge soll  sich nach Angaben des JadeWeserPorts gleichmäßig zwischen der Schiene und der Straße aufteilen: Jeweils 20% sollen per Bahn bzw. per Lkw weitertransportiert werden.[6] Auf den Straßentransport entfallen demnach bei voller bis maximaler Auslastung des Hafens zwischen 0,54 und 0,68 Mio. TEU, also zwischen 540.000 und 680.000 Lkw pro Jahr.

Der Hauptgüterstrom aus den deutschen Nordseehäfen verläuft in südliche und südwestliche Richtung. Auf die nördliche und östliche Transportrichtung entfallen fünf Prozent.[7] Vom JadeWeserPort aus müssten demnach zwischen 27.000 und 34.000 Lkw pro Jahr in Richtung Schleswig-Holstein, Ostseeraum und Skandinavien unterwegs sein.

Aufgrund des Fahrverbotes für Lkw am Sonntag und an Feiertagen verteilt sich diese Jahresmenge auf 304 Tage. Dementsprechend muss das Lkw-Aufkommen noch umgerechnet werden.

Unser Ergebnis

Im Endergebnis kommen wir also auf  89 bis 112 Lkw pro Werktag, die vom JadeWeserPort aus nach Schleswig-Holstein, nach Skandinavien oder in den Ostseeraum fahren oder die von dort kommen und diesen Hafen zum Ziel haben. Bei voller bzw. maximaler Auslastung des JadeWeserPorts, wohlgemerkt.

Zum Vergleich:

Im Jahr 2010 waren auf der A 29 zwischen Jaderberg und Hahn-Lehmden täglich 2.100 Lkw unterwegs,[8] also ca. die 20-fache Menge. Und bis heute kann man wahrlich nicht behaupten, dass auf der A 29 so richtig viel los wäre … Das ist auch kein Wunder, denn laut Verkehrsgutachten zum JadeWeserPort liegt die Kapazitätsgrenze der A 29 bei bis zu 60.000 Fahrzeugen am Tag (inklusive Lkw).[9] Im Jahr 2010 fuhren dort aber nur 24.600 Kfz täglich[10] – also noch nicht einmal die Hälfte des Fahrzeugaufkommens, das eine Autobahn bewältigen kann.

Mal ehrlich!

Maximal 89 bis 112 Lkw mit Seegütercontainern als Begründung für den Bau der geplanten Autobahn A 20?

Maximal 89 bis 112 Lkw als Begründung einer Autobahn, die das vorhandene Straßennetz z. B. in der Gemeinde Jade in der Wesermarsch kein bisschen vom Schwerverkehr entlasten wird?

Einer Autobahn, die keine wirtschaftlichen Vorteile für diese Region hat?

Mal ehrlich – das ist lächerlich!

 


Quellen:

[1] MWP GmbH/IHS/Uniconsult/Fraunhofer CML: Seeverkehrsprognose 2030. Verkehrsverflechtungsprognose 2030 sowie Netzumlegung auf die Verkehrsträger. Los 2 (Seeverkehrsprognose). Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. 9. Mai 2014, S. 133 (im folgenden zit. als „Seeverkehrsprognose“)

[2] Niedersachsisches Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr (Hrsg.): Anhang zur Pressemitteilung: Ergebnis Machbarkeitsstudie JadeWeserPort II liegt vor, S. 5 (http://www.mw.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/ergebnis-machbarkeitsstudie-jadeweserport-ii-liegtvor-140963.html) (Stand: 16.6.2016)

[3] Seeverkehrsprognose, S. 3

[4] NDR.de: JadeWeserPort: Sechsmal so viele Container in 2015, 25.1.2016

[5] Dr. Miller, Jan: Das Güterverkehrszentrum Wilhelmshaven am JadeWeserPort: Eine Logistikzone von internationaler Bedeutung. 27. September 2012, Folie 16 (http://www.wilhelmshaven.de/wirtschaftskongress/Wirtschaftskongress_Wilhelmshaven_JWP-LZ.pdf) (Stand: 16.6.2016) (im folgenden zit. als „Miller“); Seeverkehrsprognose, S. 133

[6] Miller, Folie 16

[7] Schutzgemeinschaft ländlicher Raum Nord-West e. V./Verkehrsclub Deutschland e. V., Landesverband Niedersachsen (Hrsg.): Kompendium Autobahn A 20 von Westerstede bis Drochtersen. 2016, S. 11 (http://www.kompendium-a20.de/) (Stand: 16.6.2016)

[8] SSP Consult Beratende Ingenieure GmbH: Verkehrsuntersuchung für die Küstenautobahn A 20 Westerstede (A 28) bis Drochtersen (A 20/Elbquerung). Erläuterungsbericht. Februar 2012. Auftraggeber: Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereiche Oldenburg und Stade, Abb. 1a

[9] INROS-LACKNER Consulting Group/Thalen Consult/Ingenieur-Consult fur Bahn- und Verkehrstechnik Hamburg GmbH: Verkehrsgutachten zur Hinterlandanbindung des Jade-Weser-Port. 2003

[10] siehe Anm. 8

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